Medienerklärung des Vereins FORUM vom 06.04.10

AKW-Bilanz zum 30.12.2009
Zahl weltweit erneut gesunken

Auch im Jahr 2009 sanken weltweit sowohl die Zahl als auch die Leistung der Atomkraftwerke. Drei Stilllegungen, zwei Inbetriebnahmen und elf Baustarts.
In Betrieb genommen wurden zwei AKW mit 202 Megawatt (MW) in Indien und mit 866 MW in Japan. Endgültig stillgelegt wurden drei AKW: In Japan ein Atomreaktor mit 515 MW und einer mit 806 MW sowie in Litauen einer mit 1185 MW. Die Stilllegung gerade dieses Reaktors mit gefährlicher Tschernobyltechnik in dem Ostseestaat freut uns Gesundheits- und Umweltschützer. Der Bau elf neuer AKW begann. Hiervon neun in China, eines in Russland und eines in Südkorea.
Im zu Ende gegangenen ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends wurden weltweit 46 neue AKW-Bauten begonnen: in China 21, in Indien 8, in Südkorea 6, in Rußland 6, in Japan 2, in Finnland 1, in Frankreich 1 und in Pakistan 1. Im Jahr 2008 wurde der Bau von zehn und im Jahr 2009 von elf AKW gestartet. Da in den kommenden Jahren altershalber viele der weltweit betriebenen 436 AKW stillgelegt werden müssen, wird die Gesamtzahl weiter leicht sinken.
In den letzten zwei Jahren hat China den AKW-Ausbau stark beschleunigt. Allein fünfzehn der insgesamt 21 Baustarts geschahen in China.

Die energiehungrige Supermacht China baut die meisten neuen AKW – aber auch dort überholt die Windkraft schon die Atomkraft
China, das mit seinen Exporten bereits die USA überholt hat und in diesen Jahren Deutschland überholen wird, leidet unter Strommangel. Viele neue luftverpestende Kohlekraftwerke werden gebaut. Und China geht auch den gefährlichen Atomweg. Um in zehn Jahren vier (!) Prozent seines Stroms mit Atomkraft herstellen zu können, hat China in den vergangenen zwei Jahren fünfzehn neue AKW-Baustellen eingerichtet.
Viel schneller wächst in China jedoch die Windkraft. So wurden vor fünf Jahren in 2004 erst Windkraftwerke mit zusammen 197 Megawatt und ein Atomkraftwerk mit 610 MW ans Stromnetz gebracht. Im Jahr 2009 wurden bereits Windkraftwerke mit 8.000 MW aber kein einziges neues AKW in Betrieb genommen.

Fazit:
Weltweit stagniert oder schrumpft sogar die Atomkraft. Nur in Indien, China und Südkorea werden in nennenswertem Umfang neue AKW gebaut. In mehreren Ländern wie den USA und Großbritannien wird seit vielen Jahren über neue Atomkraftwerke diskutiert. Wegen der hohen ökonomischen Risiken (in Finnland und Frankreich sprengen die zwei AKW Bauten den Kostenplan) wie auch des Widerstandes vieler Bürger, der durch ungelöste Atommüll-, Krankheits- und Sicherheitsprobleme immer neu motiviert wird, werden neue Atomkraftwerke praktisch nur in staatskapitalistischen Ländern oder mit vielen Subventionen gebaut.
Deutschland ist mit seinem von Umwelt- und Gesundheitsschützern geforderten Atomausstieg wie auch dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auf einem zukunftsweisenden Weg. Wenn unser Land endlich ernst machen würde mit der Beschleunigung des Energieproduktivitätswachstums, also effizientere Elektromotoren, Beleuchtungen und Elektrogeräte einsetzte, und wenn die Torpedierung der Windkraftnutzung auch in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern beendet würde, könnten wir gut im Jahr 2020 fast schon die Hälfte unseres Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien decken.


Raimund Kamm - Vorstand

Das FORUM drückt mit seinem langen Vereinsnamen aus, daß wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen als auch für eine Verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3xE-Strategie: 1. Energie sparen 2. Energieeffizienz radikal steigern 3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns in etwa 30 Jahren zu 100 Prozent versorgen! Wind, Solar, Biomasse, Geothermie, ....

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM, im März 2002 formierte es sich als eingetragener und gemeinnütziger Verein und im Herbst 07 ist es mit rund 720 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Württemberg und Bayern, sogar die größte Anti-Atom-BI Süddeutschlands.

Jetzt warten wir auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts über unsere Verfassungsbeschwerde. Wir beklagen, daß die neue Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt.